Die Bibel

Als ich anfing, regelmäßig in Museen zu gehen und mir dabei immer wieder diese Bilder mit sakralen Inhalten in die Quere kamen, wurde ich stutzig. Ich sah Gott. Ich kann mich noch daran erinnern, dass mir meine Religionslehrerin stets einbläute, dass es eine Todsünde sei, Gott bildlich darzustellen. Das von ihr aufgezeichnete Tafelbild zeigte stets ein paar Bibelprotagonisten in Strichmännchenform mit Sektenkutten gekleidet und ein überdimensionales Auge. Das Auge stellte Gott dar. Die dicke Religionslehrerin hat uns geschickt hinters Licht geführt, da mir mittlerweile etliche Skulpturen und Gemälde bekannt sind, bei denen Gott in seiner ganzen Pracht dargestellt wird. Und wir wissen dank Michelangelo und Co. nun, dass unsere heilige Herr Vater tatsächlich einen langen Bart besitzt und sich zur Fortbewegung gut und gerne auf ein Wölkchen platziert.

Andere Gestalten der Bibel kommen mir bis heute suspekt vor. Bei unserem all geliebten Jude Jesus beispielweise bin ich mir manchmal nicht so sicher, ob seine angebliche Gottes-Sohn-Schiene nicht doch etwas fehlinterpretiert wurde. Ich gehöre nicht gezwungenermaßen zu denjenigen, die alles anzweifeln und bei jeder Behauptung aufspringen um das Gegenteil zu behaupten, sowie Thomas, einer der größten Zweiflernasen aus der Jüngerriga, aber die von J.C. unternommenen Wundergeschichten kann ich nicht allzu viel Glauben schenken. Meine etwas unausgearbeitete Theorie basiert darauf, dass die guten Menschen zu jener Zeit hin und wieder von Hungersnöten befallen waren und somit auf das Einnehmen obskuren Halluzinogenen angewiesen waren, um das Hungergefühl einzuschränken. Bei einer mit LSD vergleichenden Wirkung wundert es mich nicht, dass die Anhänger Jesu den selbigen auf dem Wasser haben laufen sehen.

Komisch eigentlich, dass ich trotz einiger Zweifelsattacken die heilige Schrift als selbstverständlich ansehe. Sie ist wohl das meistgelesene Buch überhaupt und hat wohl schon manch einen zu einem freudigen Moment verholfen. Bei genauerer Betrachtung ist die Bibel wohl nichts anderes, als ein Vorreiter von Herr der Ringe. Für jeden Geschmack ist etwas dabei. Abenteuer, Verfolgung, ellenlange Märsche durch Wüste und Dreck. Bei all den Gewaltszenen in der Bibel ist „Full Metal Jacket“ ein Scheiß dagegen. Für die Liebhaber von den dünnen 1,95 Euro Lovestory mit Softporno geschmückten Heftchen ist selbstredend auch etwas dabei. Inzest an jeder verflixten Ecke Israels. Vater mit Tochter, Bruder mit Schwester, Männer mit Männern und geherzt und geküsst wo man nur hinsieht.
Lügen, Intrigen und herzzerreißende Telenovela-Szenen finden einen Platz in dem spannenden Buch. Nicht zu vergessen die Thematisierung der problembehafteten Vater-Sohn-Beziehung. Das muss man sich mal vorstellen; Vater ständig auf Geschäftreise um hier noch mal ein kleines Wunder zu vollrichten oder dort eine kleine Plage in Gang zu setzen und auf seinen Sohnemann übt er den enormen Leistungsdruck aus, indem er ihm zum auserwählten Messias benennt, der nun in Abwesenheit seines Vaters das Unternehmen zu leiten hat. Stiefvater Joseph hat bei den Erziehungsmaßnahmen nur mittelmäßig etwas beizusteuern. Der Gute ist eh schon völlig vor den Kopf gestoßen worden, bei der erkannten Schwangerschaft seiner jungfräulichen Gattin, dass ihm nichts anderes übrig bleibt, als sich schnell und leise aus dem Handlungsstrang zu entfernen. Auch das Verhältnis zu der Mutter ist nicht unbedingt das gelbe vom Ei. Lässt ihren Sohnemann mutterseelenallein die Irrfahrt durch das Land bewerkstelligen und lässt sich erst wieder mit Schweißtuch bei der Kreuzigung blicken.

Gottesdienstordnung an Ostern im Vatikan

Plötzlich ist alles anders.
Plötzlich gehörst du dazu.
Zu einer jubelnden riesigen Menschmenge.
Sprechchöre; Lobgesänge, Benedetto Rufe dringen sekündlich an dein Ohr. Sie stecken dich förmlich an. Sie laden zum Mitmachen ein.
Sie reißen dich mit.
Konfessionszugehörigkeit; Hautfarbe; Herkunft oder ethnische Einstellung spielen plötzlich keine Rolle mehr.
Es ist einfach ein einzigartiges Gefühl.
Auf dem Petersplatz zu stehen und im Angesichte des Stellvertreter Christi tief beeindruckt an einer österlichen Messe im Vatikan teilzunehmen.
Ein kollektives Gemeinschaftserlebnis, ein unbeschreibliches Flair, das einen nachhaltig prägen wird.
Und das Angebot an Messfeiern zu Ostern ist groß…

Palmsonntag

Los geht es bereits eine Woche vor dem Osterfest, am Palmsonntag, um 9.30 Uhr auf dem Petersplatz. Der Papst segnet die Oliven und Palmzweige (aus der Region Apulien), die zuvor an die Gläubigen verteilt werden. Anschließend richtet er in der Eucharistiefeier seine Predigt an die jüngere Generation.

Gründonnerstag

Nach Ablauf des Palmsonntags beginnt dann die Karwoche. Sie leitet das wichtigste Fest der Christenheit ein. Offiziell beginnen die Osterfeierlichkeiten am Gründonnerstag .Eine Schar von Pilgern und Gläubigen ist bereits zu früher Stunde unterwegs, um noch einen Platz im Petersdom für die Chrisammesse um 9.30 Uhr zu ergattern. Dort wird das Salböl (Chrisam), eine Mischung aus Olivenöl und Balsam, gesegnet und anschließend in einigen Sakramenten verwendet. Am Abend gegen 17.30 Uhr findet dann in der Lateran-Basilika die Feier des letzten Abendmahls Jesu statt. Gemäß der Überlieferungen der Heiligen Schrift wäscht der Papst 12 Priestern die Füße.

Karfreitag

Anders als vielerorts in christlichen Gemeinden üblich wird die Feier vom Leiden und Sterben Christi nicht um 15 Uhr (nach den biblischen Angaben von Jesu Kreuzigung um die dritte Stunde des Tages, sondern um die „fünfte Stunde“ (17 Uhr) eingeläutet.
Höhepunkt am Karfreitag ist aber ohnehin die Kreuzwegsandacht vom Kolosseum zum Palatin Hügel ab 21.15 Uhr.
Nach Einbruch der Dunkelheit verwandelt sich die prächtige Kolosseums- Kulisse in ein farbenfrohes Lichtermeer.
Schuld daran sind die Kerzen mit dem verschiedenfarbigen, wie bei einem Lampenschirm umwickelten Papier, die jeder Besucher vorab erhält.
Sie machen aus der besinnlichen Kreuzwegsandacht den spirituellen Höhepunkt der Osterfeierlichkeiten im Vatikan überhaupt aus.
Damit man noch einen Platz ergattern kann, empfiehlt es sich bereits zwei Stunden früher am Kolosseum zu sein.

Karsamstag

Die Zeit des Leidens endet mit der Auferstehung von Jesus.
Er hat das Dunkel der Welt durchbrochen.
Die eigentliche Bedrohung der Welt laut Papst Benedikt XVI.
So ist es nur folgerichtig, dass zur Osternacht am Karsamstag um 21.00 Uhr der zuerst vollkommen verdunkelte Petersdom in neuem Lichterglanz erstrahlt, nachdem der Papst die Osterkerze entzündet hat und das Licht an die Gläubigen weiterverteilt hat (jeder Besucher erhält wieder eine Kerze vor Beginn).
Höhepunkt der Osternacht ist die Tauffeier der Konvertierten.
Der Papst spendet erwachsenen Frauen und Männern, die sich entschieden haben, künftig nach den Lehren des christlichen Glaubens zu leben, das Sakrament der Taufe und ist allen ein guter Ratgeber.

Ostersonntag

Dann ist es endlich soweit: Das Ereignis auf das alle gewartet haben, steht vor der Tür. Das Osterfest. Weniger die Messe, die der Papst ab 10.15 Uhr auf dem Petersplatz feiert ist für die abertausenden Pilger und Gläubigen dabei interessant, als der österliche Segensgruß „Urbi et orbi“ (der Stadt und dem Erdkreis), den der Papst in 65 Sprachen den Pilgern mitgibt. Weltweit wird dieses Spektakel verfolgt. Meistens findet auch eine Fernsehübertragung durch die ARD statt. Eine gelungende Strategie der ARD.

Ostermontag

Am Ostermontag findet keine Messe mit dem Papst statt.

Karten

Wenn Sie einmal in der ewigen Stadt live dabei sein wollen bei den Osterfeierlichkeiten mit dem deutschen Oberhirten der Katholiken, sollten Sie sich in jedem Fall vorher Karten für die Liturgiefeiern an Ostern reservieren. Ohne Einlasskarten haben Sie keinen Zutritt zu den Osterfeierlichkeiten mit dem Papst. Die Karten können kostenlos über das Pilgerzentrum/Präfektur des Heiligen Stuhls online oder vor Ort bestellt werden und müssen je nach religiöser Veranstaltung 1 Tages zuvor oder am Morgen des Veranstaltungstages abgeholt werden.